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Umgang mit Personalmangel in Pflegeheimen

Geschrieben von Christian Bennike | 26.01.2026 09:53:08

In ganz Europa und darüber hinaus stellt der Personalmangel in Pflegeheimen eine der größten Herausforderungen der aktuellen Versorgungslandschaft dar. Der Pflegebedarf steigt kontinuierlich mit der Alterung der Bevölkerung, während Wachstum und Bindung des Pflegepersonals nicht Schritt halten. Dieses Ungleichgewicht wirkt sich auf den Pflegealltag, die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner sowie auf die langfristige Planung in Pflegeeinrichtungen aus.

Eine alternde Bevölkerung erhöht den Pflegebedarf

Demografische Entwicklungen verschärfen den Druck auf Pflegeheime. In der WHO-Region Europa wird die Zahl der Menschen ab 60 Jahren voraussichtlich von rund 215 Millionen im Jahr 2021 auf 247 Millionen bis 2030 und auf über 300 Millionen bis 2050 steigen. Die Zahl der über 80-Jährigen wird sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppeln. Damit wächst der Bedarf an Gesundheits- und Pflegeleistungen insgesamt – einschließlich der stationären Langzeitpflege.

Das Joint Research Centre berichtet zudem von einem deutlichen zukünftigen Anstieg der Zahl der Europäerinnen und Europäer ab 50 Jahren mit langfristigem Pflegebedarf. Das bedeutet mehr Bewohnerinnen und Bewohner, die tägliche Unterstützung, individuelle Pflege und engmaschige Beobachtung benötigen – zu einem Zeitpunkt, an dem das Pflegepersonal nicht im gleichen Maße wächst.

 

 

Die realen Auswirkungen unzureichender Personalausstattung

Die Arbeit in der Langzeitpflege ist anspruchsvoll, und schwierige Arbeitsbedingungen erschweren Rekrutierung und Personalbindung zusätzlich. Im Jahr 2019 waren nahezu 38 % der Beschäftigten in der Langzeitpflege in der EU 50 Jahre oder älter; zudem ist der Berufsstand überwiegend weiblich – eine demografische Realität, die mit allgemeinen Arbeitsmarkttrends zusammenhängt.

Ein Scoping Review im European Journal of Public Health beschreibt Pflegeheime als „aufgabenorientiert, mit hoher Arbeitsbelastung und unzureichenden Ressourcen“. Dies trägt zu Stress, geringerer Arbeitszufriedenheit und Fluktuation bei – zentrale Faktoren für Personallücken in Pflegeeinrichtungen.

In Deutschland wurden stärkere Pflegeengpässe mit niedrigeren Pflegekraft-Bewohner-Quoten, Veränderungen im Qualifikationsmix des Personals und reduzierten Belegungsquoten in Verbindung gebracht – Faktoren, die die Versorgungsqualität und die betriebliche Stabilität gefährden können.

Diese strukturellen Belastungen betreffen nicht nur einzelne Einrichtungen, sondern spiegeln umfassendere Herausforderungen der Gesundheits- und Pflegemärkte in Europa und darüber hinaus wider.

 

 

Strategien zum Umgang mit Personalmangel in Pflegeheimen

Die Bewältigung des Personalmangels erfordert eine Kombination aus organisatorischen, personalbezogenen und technologiegestützten Maßnahmen. Die folgenden Ansätze können Teams bereits heute unterstützen.

1. Flexible und geteilte Personalkonzepte

Bei hoher Nachfrage oder Personalausfällen können gemeinsame Personalpools, in denen Pflegefachkräfte flexibel in mehreren Einrichtungen eingesetzt werden, zur Stabilisierung der Versorgung beitragen, ohne die Stammteams zusätzlich zu belasten.

Flexible Dienstpläne und der Einsatz von Springkräften erleichtern eine gleichmäßigere Arbeitsverteilung und erhöhen die Attraktivität der Tätigkeit für Fachkräfte, die Wert auf Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben legen.

2. Kooperationen mit Bildungseinrichtungen

Partnerschaften mit Berufsfachschulen, Hochschulen und Ausbildungsprogrammen erweitern die Rekrutierungspipeline und ermöglichen es, zukünftige Mitarbeitende bereits während der Ausbildung in Pflegeheime einzubinden.

Praktika und Praxiseinsätze vermitteln reale Pflegeerfahrung und eröffnen Einrichtungen frühzeitig Zugang zu potenziellen neuen Mitarbeitenden.

3. Arbeitskultur und Personalbindung stärken

Maßnahmen wie Anerkennungsprogramme, Fort- und Weiterbildungsangebote sowie flexible Arbeitszeiten stärken die Motivation und fördern die Bindung an die Einrichtung.

Ein unterstützendes Arbeitsumfeld, in dem Pflegekräfte gehört und wertgeschätzt werden, kann Burnout und Fluktuation reduzieren. Personalbindung ist ebenso wichtig wie Rekrutierung – insbesondere dort, wo Kontinuität der Pflege entscheidend ist.

4. Zeitarbeit und Agenturpersonal gezielt einsetzen

Pflegeheime können mit spezialisierten Personaldienstleistern zusammenarbeiten, um Engpässe bei hoher Arbeitsbelastung oder ungeplanten Ausfällen zu überbrücken. Kurzfristig eingesetztes Personal kann die

Versorgungsqualität sichern und den Druck auf feste Teams mindern. Aufgrund der Kosten sollte dieser Ansatz gezielt und zurückhaltend genutzt werden, kann jedoch in akuten Situationen kurzfristige Entlastung bieten.

5. In Fort- und Weiterbildung investieren

Kontinuierliche Schulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen stärken die fachliche Sicherheit des bestehenden Personals. Dazu zählen praxisnahe Workshops, Simulationstrainings und Hospitationen, die Arbeitszufriedenheit und Bindung fördern.

Klare Entwicklungsperspektiven machen Tätigkeiten in Pflegeheimen attraktiver und helfen, erfahrene Pflegekräfte langfristig zu halten.

6. Technologie zur Unterstützung von Arbeitsabläufen nutzen

Technologie ersetzt nicht die menschliche Zuwendung, kann jedoch helfen, Zeit gezielter einzusetzen.

Monitoring-Systeme für Pflegeheime und Remote-Monitoring-Lösungen reduzieren manuelle Routinekontrollen, indem sie kontinuierliche Informationen zu Bewegungen, Vitalparametern und relevanten Mustern liefern. Sie informieren das Personal über wichtige Veränderungen und verringern wiederkehrende Aufgaben.

Remote-Monitoring kann zudem die betriebliche Effizienz steigern, etwa indem Fachpersonen Daten einsehen können, ohne ständig vor Ort zu sein, und indem Pflegeentscheidungen auch bei knapper Personaldecke unterstützt werden.
Weitere Technologien wie Telemedizin und KI-gestützte Alarmsysteme werden in einigen Einrichtungen eingesetzt, um die

Reichweite vorhandener Teams zu erhöhen und rechtzeitige Interventionen zu ermöglichen.

 

 

7. Einbindung der Gemeinschaft und Ehrenamt

Kooperationen mit lokalen Organisationen und Ehrenamtsnetzwerken können bei Personalmangel unterstützend wirken. Sie übernehmen nicht-pflegerische Aufgaben, fördern gemeinschaftliche Verantwortung und stärken die lokale Einbindung in die Pflege.

8. Einsatz für strukturelle Verbesserungen

Langfristige Lösungen erfordern auch systemische Maßnahmen – von besserer Finanzierung der Pflege bis hin zu politischen Rahmenbedingungen, die Pflegeberufe langfristig attraktiv machen. Europäische Initiativen wie das EU-Projekt „Nursing Action“ zielen darauf ab, Rekrutierung und Bindung durch bessere Arbeitsbedingungen und Mentoringprogramme zu unterstützen.

 

Bedeutung für den Pflegealltag

Der Umgang mit Personalmangel in Pflegeheimen ist nicht nur ein Rekrutierungsthema, sondern eine Frage der Organisation und Nachhaltigkeit. Flexible Personalkonzepte, eine unterstützende Arbeitskultur und der gezielte Einsatz von Technologien wie Monitoring-Systemen können die Zeit für Routinetätigkeiten reduzieren und den Fokus auf das Wesentliche lenken.

So werden Pflegekräfte entlastet und die Kontinuität der Versorgung verbessert – auch bei begrenzten personellen Ressourcen.

 

Fazit: Menschen und praxisnahe Unterstützung verbinden

Personalmangel und Unterbesetzung werden die Langzeitpflege weiterhin prägen. Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert Strategien, die Menschen, Arbeitsabläufe und Rahmenbedingungen gleichermaßen unterstützen.

Vorausschauende Personalplanung, kontinuierliche Qualifizierung, flexible Einsatzmodelle und unterstützende Technologien wie Pflegeheim- und Remote-Monitoring ermöglichen es Pflegeteams, sich stärker auf die eigentliche

Pflege zu konzentrieren statt auf wiederkehrende Routinetätigkeiten.
Die Zukunft der Langzeitpflege hängt nicht allein von Zahlen ab, sondern davon, wie gut Pflegeteams unterstützt, befähigt und gestärkt werden, auch unter begrenzten Ressourcen effizient und menschlich zu arbeiten.

 

 

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